Social Media: Facebook, StudiVZ und Twitter (allein) sind nicht Web 2.0
Geschrieben von Andreas Wagner am 6. Dezember 2009 | Abgelegt unter Marketing im digitalen Raum
Sprechen Unternehmen über Web 2.0 oder Social Media, fallen nahezu synonym Facebook, StudiVZ und Twitter. Sie scheinen der Inbegriff von Social Media bei Marketers und PR-Verantwortlichen in Unternehmen zu sein. Ein Zeichen dafür, dass das Prinzip von Web 2.0 noch nicht verstanden ist und alte, tradierte Denkweisen noch vorherrschen – das Denken in Reichweite.
Facebook hat aktuell ca. 6,2 Millionen Mitglieder in Deutschland [Quelle: Wikipedia], StudiVZ 5,5 Millionen Unique User [Quelle: Wikipedia]. Für Deutschland werden aktuell für November 2009 175.000 aktive deutsche Nutzer geschätzt [Quelle: webevangelisten.de]. Laut dieser Erhebung ein Rückgang um 5% zum Vormonat Oktober.
Die drei sind sicherlich mit die Reichweitenstärksten Social Media Plattformen, aber Reichweite ist nur ein Aspekt, wenn man Social Media bewerten möchte. Zwei weitere elementare Werte sind Reputation und Relevanz. Und diese Dimensionen sind deutlich inhaltlich getrieben. Facebook und StudiVZ kann man auf jeden Fall große Reputation in Sachen „Networking” zu sprechen. Twitter ist aktuell die größte „News-Sharing”-Plattform für Privatpersonen wie auch im professionellen Kontext. Beispielsweise zu den Themen Automobil oder Gaming fällt diese Bewertung für die drei Plattformen in Sachen Reputation und Relevanz signifikant anders aus.
Was das „Mitmach-Web” auszeichnet, ist ja gerade die Möglichkeit, dass nahezu jeder mit Internet-Zugang ohne Programmierkenntnisse und große Kosten eine Plattform gründen kann. Und so gibt es eine Unzahl an Blogs, Foren und Portalen für jedes denkbare und nicht denkbare Thema.
Wenn Unternehmen also aus der reinen Senderperspektive auf „Wissen generieren” und „Austausch anbieten” wechseln wollen, müssen sie ihren Blick ausweiten.
Mit dem weiten Blick steht aber nun die Frage im Raum, was denn die richtigen Quellen sind? Natürlich nur die relevanten. Aber wie bewertet man Relevanz?
Sichtbarkeit: Ein pragmatischer Weg ist, Relevanz auf generischer Ebene zu bewerten. Das heißt: Ein Wertesystem, dass nicht eine Branche, ein Thema, eine Zielsetzung berücksichtigt. Ein denkbarer Wert ist die „Sichtbarkeit” einer Plattform. Die Position einer Plattform im Web aus Sicht eines neutralen Nutzers. Sämtliche Plattformen erhalten einen Indexwert, je höher desto wahrscheinlicher ist es, dass der fiktive Nutzer auf diese Website trifft. Man stelle es sich vor wie eine Skyline. Egal wie viele Einfamilienhäuser existieren, die Hochhäuser werden auf jeden Fall zu erst gesehen, unabhängig davon, ob sie für den Besucher die beste Adresse sind.
Dieser Ansatz hilft auf jeden Fall die Publizität von diskutierten Themen und Beiträgen einzuordnen. Über das Verbreitungspotenzial, den „News-Wert” im Web 2.0, kann dieser Wert nur eine begrenzte Indikation liefern. Ebenso über die inhaltlicher Relevanz für bestimmte Zielgruppen.
Themenbezug: Die thematische Relevanz einer Quelle lässt sich gut anhand der Anzahl von Beiträgen zum Thema bemessen. Noch präziser wird dieser Wert, wenn man ihn in das Verhältnis zur Gesamtzahl der Beiträge einer Quelle setzt. Durch Berücksichtigung von Textlängen und Nennungshäufigkeiten von Kernbegriffen, lässt dich dieser Werteaspekt weiter verfeinern.
Mit dieser Methode wird die thematische Relevanz gut auf quantitativer Weise ermittelt. Die Güte der Themenbehandlung lässt sich damit schwer widerspiegeln.
Aktualität: Nicht nur Schnelligkeit ist hier wichtig. Auch die Regelmäßigkeit mit der publiziert und diskutiert wird, spielt eine wichtige Rolle. So gibt es Quellen, die sich auf Schnelligkeit spezialisiert haben, beispielsweise klassische Presseseiten. Einen Themenschwerpunkt hingegen haben sie nicht.
Möchte man aber zum Beispiel bewerten, wie aktiv ein Fachforum ist, zählt die Regelmäßigkeit, in der Beiträge (Posts) eingestellt und Diskussionen (Threads, Sub-Foren) gestartet werden.
Berücksichtigt man diese Kriterien und durchwandert den digitalen Raum nach relevanten Quellen, dann wird man auf spannende „Findlinge” jenseits von Facebook, StudiVZ und Twitter stoßen. Einer dieser Interessanten Findlinge ist beispielsweise chefkoch.de. Denn hier werden nicht nur Rezepte ausgetauscht und bewertet, sondern u.a. auch intensiv Browser diskutiert und empfohlen.
2 Kommentare »
am 6. Dezember 2009 um 21:44 1.Thomas Pfeiffer schrieb …
Hallo,
mittlerweilse sind es ein paar mehr Twitternutzende geworden:
http://webevangelisten.de/category/twitter-zensus/
Grüße
Thomas Pfeiffer
am 12. Dezember 2009 um 08:14 2.awagner_da schrieb …
Vielen Dank an Thomas Pfeiffer von webevangelisten.de für das Update. Ich habe die Zahl aktualisiert samt “Schrumpf-Info”.